Diesen Artikel habe ich von Doris erhalten und mehrere Frauen haben mir bestätigt, selbst zumindest einmal in einer ähnliche Situation gewesen zu sein. Danke für Eure Offenheit und die detailierten Einzelschilderungen, ich nenne an dieser Stelle auch keine weiteren Namen und werde mit hoher Wahrscheinlichkeit glaube ich kein Buch darüber schreiben. Dieser Artikel ist auch an jene Männer gerichtet, die erfahren wollen, warum sich Frauen oft gemeinsam „kurz entschuldigen“.

Als du klein warst, und deine Mama dich auf die öffentliche Toilette mitgenommen hat, hat sie dir beigebracht, dass man zuerst die Klobrille mit Klopapier abwischen muss, und dann hat sie kleine Stückchen von der Rolle abgerissen und die ganze Klobrille damit abgedeckt.
Schlussendlich hat sie dich gelehrt: „Setz dich niemals auf eine öffentliche Toilette!“ Danach hat sie dir die „Pose“ gezeigt, wie du dein Gleichgewicht über der Toilette so halten kannst, dass du dich nicht hinsetzt und das Klo nicht berührst. Sich die „Pose“ anzueignen ist einer der Lektionen, die ein Mädchen durch sein ganzes restliches Leben begleitet. Aber sogar als Erwachsener ist es schwierig, die „Pose“ zu halten, wenn es schon wirklich dringend ist.

Wenn du auf einer öffentlichen Toilette aufs WC „MUSST“, wirst du sehen, dass die Schlange ungefähr so lang ist, als würde Brad Pitt drinnen warten. Und du wartest es ab, lächelnd, nett und bemerkst, dass die anderen Frauen ihre Beine und Arme diskret kreuzen, was der offizielle Ausdruck für „ich mach mir gleich in die Hose“ ist. Endlich kommst du dran, als ganz plötzlich die typische Mutter auftaucht und dir mitteilt:“Es tut mir Leid, aber meine Tochter hält es nicht mehr aus“. In dem Augenblick siehst du dich um, ob nicht doch irgendwo eine Kabine frei ist…

mistbesetzt Alle sind besetzt. Endlich öffnet sich eine Tür und du stürzt dich drauf, ziehst die drinnen Stehende schon fast heraus, obwohl sie schon auf dem Weg nach draußen ist. Du gehst hinein und bemerkst, dass das Schloss nicht funktioniert (es funktioniert nie). Kein Problem.

Du möchtest deine Tasche auf den Haken hängen, es gibt aber keinen (gibt es nie). Da denkst du, dann eben auf die Türschnalle, die gibt es auch nicht, daher siehst du dich noch mal um.

Du schaust auf den Boden und siehst, dass da eine verdächtige undefinierbare Flüssigkeit ist: du traust dich nicht, die Tasche hinzulegen, also hängst du sie dir um den Hals, während du zuschaust, wie sie hin- und herschwingt, ganz zu schweigen davon, dass sie dich fast erwürgt, weil sie dermaßen voll ist, dass es mühsam ist sie zu tragen, und zwar mit Dingen, die sich schön langsam angesammelt haben und du den Großteil gar nicht verwendest, aber zur Sicherheit dabei hast, man kann ja nie wissen…

Aber zurück zur Tür. Da kein Schloss dran ist, besteht die einzige Möglichkeit die Tür geschlossen zu halten darin, sie mit einer Hand festzuhalten während du mit der anderen Hand mit einem Ruck deine Unterhose runterziehst und dich in die „Pose“ wirfst.

Was für eine Erleichterung!!! Endlich! Und dann fühlst du plötzlich, wie deine Oberschenkel anfangen zu zittern, weil du ja in der Luft hängst, deine Beine abgewinkelt sind, deine Unterhose deinen Blutkreislauf in den Beinen unterbricht, deine ausgestreckte Hand die Tür hält und die 5 Kilo schwere Tasche um deinen Hals…

Du würdest dich wahnsinnig gerne hinsetzen, aber als du hineingekommen bist, hattest du keine Zeit, die Klobrille abzuwischen und sie mit Klopapier abzudecken. Wahrscheinlich würde nichts passieren, wenn du dich hinsetzen würdest, aber du hörst die Stimme deiner Mutter: „Setz dich niemals auf eine öffentliche Toilette!“, also bleibst du mit zitternden Beinen in der „Pose“.  Aber oje! Aufgrund einer schlechten Berechnung spürst du, wie ein dünner Strahl an deinem Hintern runterrinnt, vielleicht hat es auch deine Strumpfhose erwischt!!! Mit ein bisschen Glück werden vielleicht nicht auch noch deine Schuhe getroffen, aber dass du die richtige „Pose“ findest, dazu braucht es immense Konzentration.

OK! Du versuchst dieses Unglück zu vergessen und fängst lieber an, das Klopapier zu suchen aber verdammte Sch…!!!

Leer!!! Es gibt kein Klopapier (es ist immer leer)!

In dem Moment betest du darum, dass du in deiner Tasche unter dem 5 Kilo Mist irgendwo ein Taschentuch findest, aber um zu suchen musst du die Tür loslassen. Einen Moment lang zweifelst du, ob nicht gerade dann jemand die Tür aufmacht, aber es geht nicht anders. Du musst die Tür loslassen.

Und natürlich, als du sie loslässt, stößt jemand die Tür hinein, die du mit einer starken, schnellen und sehr bestimmten Bewegung aufhalten musst während du rausbrüllst: BESEEEEEEEEEETZT!!!

Aber dann kannst du dir sicher sein dass diese Information bei allen, die da draußen stehen, angekommen ist. Deswegen kannst du die Tür mit ruhigem Gewissen loslassen, es wird ja keine die Tür absichtlich aufmachen wollen (da sind wir Frauen sehr respektvoll miteinander). Und endlich kannst du mit der Taschentuchsucherei anfangen.

Oft möchtest du alle verbrauchen, aber du weißt was ein so ein Ding in solch einer Notsituation Wert ist, deswegen hebst du dir immer zumindest eins auf. Du zählst schon die Sekunden bis du wieder draußen bist, du hast ja die Jacke an, es gibt ja keinen Haken zum Aufhängen,
du bist verschwitzt, es ist zum Verrückt werden wie heiß es in so einer kleinen Kabine sein kann, vor allem in der „Pose“ in der du dich ja noch immer befindest, deine Beine explodieren schon fast. Nicht zu vergessen, dass die Tür fast „aufgebrochen“ wurde, deine Tasche dich
halb erwürgt, der Schweiß über deine Stirn läuft und das angepinkelte Bein…

Und du weißt, dass deine Mutter sich für dich schämen würde, wenn sie dich so sehen würde, ihr Hintern hat ja nie eine öffentliche Toilette berührt und seien wir Mal ehrlich, „du kannst nie wissen, was man sich für Krankheiten an solchen Orten einfangen könnte“… Du bist schon vollkommen erschöpft bis du aufstehst, du spürst deine Beine nicht mehr, du ziehst dich schnell wieder an und drückst auf die Spülung.

Danach gehst du deine Hände waschen. Alles ist voller Wasser, deine Tasche kannst du nicht hinstellen, also hängst du sie auf deine Schulter. Du weißt nicht, wie der Wasserhahn funktioniert, es gibt ja schon so viele verschiedene mit Sensoren und du versuchst das Wasser irgendwie zum Laufen zu bringen, als endlich ein dünner Strahl kaltes Wasser kommt. Schnell ein bisschen Seife, abspülen in einer Pose wie der Glöckner von Notre Dame, du möchtest ja nicht, dass die Tasche von deiner Schulter runterrutscht. Den Trockner verwendest du gar nicht, du wischt deine Hände einfach an deiner Hose ab, dafür willst du ja kein Taschentuch verschwenden, und gehst hinaus.

Wenn du Glück hast, ziehst du kein Klopapier an deinen Schuhen mit, bzw. ist dein Hintern nicht zu sehen weil sich dein Rock nicht in deiner Strumpfhose verfangen hat als du dich blitzschnell wieder angezogen hast (was noch schlimmer wäre).

Da siehst du deinen Freund, der am Männerklo war, herausgekommen ist und sogar Zeit hatte, eine Zeitung zu lesen, während er auf dich gewartet hat.

„Wieso hat das so lange gedauert?“ fragt er blöd.

Und du antwortest nur: „Es waren viele angestellt“ .

Das ist der Grund, warum Frauen immer gemeinsam aufs Klo gehen. Aus Solidarität. Weil während du drinnen bist, hält die eine die Tasche und die Jacke, die andere die Tür, und die dritte gibt dir das Taschentuch unter der Tür durch, und so geht’s viel schneller und es
ist leichter die „Pose“ zu halten und die Würde zu bewahren.

Danke an alle, die mit mir schon auf der Toilette waren und als Kleiderhaken´oder Türsteher gedient haben!!!

***

ps. Das Bild vom Elefanten soll natürlich keine Frau symbolisieren sondern einen Toilettenwartevorgang

21 Kommentare
  1. Tanja
    Tanja sagte:

    *wachgelacht*
    Danke! War das dein Modelling-Projekt? 😉
    Werd sicher das nächste Mal daran denken und zusätzlich zum „Pose“ halten noch still und heimlich vor mich hin schmunzeln.

  2. Sigrid
    Sigrid sagte:

    … und wenn man glaubt alles im eng begrenzten Innenraum in der richtigen Pose überstanden zu haben und nach dem nicht vorhandenen Papier fischen will, dann…
    DANN geht das Licht aus, dass sich nur beim Öffnen der Tür automatisch einschaltet!

  3. andrea
    andrea sagte:

    was macht das für ein schönes gefühl, wenn man sich verstanden fühlt 😉 hab schon lang nicht mehr so gelacht! aber abgesehen davon, gelesen habichs ja nur, weil ich zu der komischen subgruppe frau gehöre, die noch nie verstanden hat, wieso frauen immer zu zweit aufs klo, aber interessant!

  4. Birgit
    Birgit sagte:

    hihi, ja genau so geht´s uns frauen wirklich oft…. aber das allerschlimmste ist das erste stück klopapier anzugreifen *igittigitt* (da muss ich immer an das buch „portnoys beschwerden“ denken, dem graute auch davor… *gg*)

  5. Marietta
    Marietta sagte:

    werde nie wieder die Nase darüber rümpfen, wenn meine besten Freundinnen gemeinsam gehen und meinem Stolz „Ich bin gross, ich kann das schon alleine“ einen Tritt in den Allerwertesten geben. Sicherlich werde ich beim „nächsten Mal“ an diese tolle Ausführung denken und schmunzelnd aus dem Kämmerchen kommen.
    Liebe Grüße und mach weiter so !!

  6. evi
    evi sagte:

    Sollte allerdings die lange Warteschlange einmal fehlen, so ist Achtung geboten. Es könnte doch vorkommen (so mir geschehen) dass beim Händewaschen die Toilettenfrau hinzu kommt und zu verstehen gibt, dass ich doch beim nächsten Male die Damentoilette benutzen sollte.

  7. Renate
    Renate sagte:

    Tja- JETZT bin ich aber wirklich überzeugt davon, dass es DOCH besser ist, jemanden mitzunehmen….werds mir merken,denn so brenzlige Situationen können schon vorkommen im Leben einer Frau…. *gg*

    PS: Warst du vielleicht im vorigen Leben….??

  8. Aurora
    Aurora sagte:

    DA ich ein kleines Mädchen habe, trifft mich deine Aussage doppelt. Wie wahr!!! Allerdings muss ich sagen, ich habe die Unterweisung meiner Mama einmal nicht gefolgt – und die Folge daran war eine mehrjährige schmerzhafte und kostenspielige gynäkologische Pilzbehandlung. Wahrscheinlich war vor mir noch eine die die Unterweisung der Mutter nicht folgten…
    Jetzt weisst du auch die Gefahren wovon diese Mama-Rat uns bewahren möchte.

  9. Sabine
    Sabine sagte:

    Lach. Herrlich,ich habe mich total wiedererkannt. Beim nächsten öffentlichen Toilettengang werde ich sicher an diese Geschichte denken und ein Lächeln wird sich ins Gesicht zaubern.

  10. Sonja
    Sonja sagte:

    geile sache das. bin wohl nicht ganz eine richtige frau (hab kein 5 kilo handtaschen-problem). haben sich aber einige geheimnisse für mich aufgedeckt. jetzt versteh ich auch viel besser, warum so viele frauen miteinander aufs klo gehen (MÜSSEN). dachte ehrlich gesagt aus meinen eigenen beobachtungen, dass es nur ums tratschen oder schminken geht. uuuups – noch ein geheimnis gelüftet? 😉

  11. Gucky
    Gucky sagte:

    Was bin ich froh ein Mann zu sein… 😉
    Neinnein… damit will ich nix gegen Frauen sagen. Aber so eine Prozedur würde mich wahnsinnig machen.
    Natürlich weiß ich auch um die hygenische Situation auf öffentlichen Toiletten und würde mich auch für andere „Geschäfte“ nur unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen draufsetzen. Aber nur zum Pillern haben es Männer eben besser… :mrgreen:
    Übrigens sind öffentliche Toiletten in Frankreich besser gelöst.

  12. Gucky2
    Gucky2 sagte:

    @Gucky… wenn Dich das schon wahnsinnig macht, dann epilier niemals Deine Beine. Von Brasilian Waxing ganz zu reden.

  13. Holger Ehrlich
    Holger Ehrlich sagte:

    ok, das erklärt alles – ich werde auch nie wieder fragen, warum … 😀

  14. Andreas
    Andreas sagte:

    Genial! Jetzt vertseh ich die Frauenwelt ein Stück besser. Was haben wir Männer für ein Glück….

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